Es war kein Kunststück, die weltweite Finanzkrise vorherzusagen.

Dass es soweit kommen musste, war vielen Fachleuten weltweit klar.Nur das WANN konnte keiner vorhersagen.

Wenn man die Entwicklung dieses so genannten Super-GAUs (GAU = größter anzunehmender Unfall) betrachtet, wird man schnell feststellen, dass diese Katastrophe nicht nur eine Ursache hat, sondern viele. Der wie eine Seuche weltweit grassierende Neoliberalismus stand am Anfang. Der durch nichts zu erschütternde Glaube der Neoliberalen in Wirtschaft und Politik an die sog. Selbstheilungskräfte des Marktes stand am Anfang eines Weges, an dessen Ende der große „Bäng“ in der Finanzwirtschaft stand. Die Aussicht auf unwahrscheinliche Renditen von bis zu 15%, hat in den großen Finanzzentren unseres Globus die Gier der vermeintlichen Wirtschaftsgrößen entfacht. Vorsichtiges Handeln wurde für viele an den Schalthebeln der Macht zu einem Fremdwort. Und wenn ich sage „an den Schalthebeln der Macht“, dann meine ich nicht Herrn Busch, Herrn Brown, Herrn Sarkozy oder Frau Merkel, sondern diejenigen, die heute die Macht innehaben. Das sind nicht Politiker, sondern die Bosse weltweit operierender Konzerne und Banken. Uns Globalisierungskritikern war das schon lange klar. Wir haben es häufig ausgesprochen, allein wir trafen auf große Skepsis bei unseren Zuhörern. Das hat sich geändert. Zum ersten Mal hat sich ein kleines Zeitfenster geöffnet, in dem es die Möglichkeit gibt, Änderungen in der Finanzwirtschaft vorzunehmen. Es müssen Grenzen her, damit die Krise der Finanzwirtschaft nicht zu einer noch größeren Krise der Realwirtschaft wird.

Von 1000 Dollar, die weltweit hin- und herbewegt werden, sind nur 20 Dollar aus der Realwirtschaft – die große Masse wird von der Finanzwirtschaft bewegt.

Hätten Sie gedacht oder gewusst, dass noch vor ca. 17 Jahren die Masse des Geldes, welches sich von Konto zu Konto bewegte, aus dem Verhältnis – Auftrag erteilen – Auftrag bezahlen – herrührte? Das ist vorbei. Heute wird die Masse an Geld damit verdient, dass nichts hergestellt wird und somit keine Wertschöpfung stattfindet, aus der sich die Geldvermehrung ableitet. Heute wird uns weisgemacht, dass Geld neues Geld schafft. Und da liegt der Hund begraben oder besser gesagt, da lagen die Kreditblasen begraben, bis sie mit einem riesigen Knall platzten.
Wenn wir jetzt nicht aufpassen, dann wird nichts geändert und das bedeutet – die nächste Krise, möglicherweise noch größer – wird kommen. Dabei ist die heutige Krise noch nicht einmal zu Ende. Sie wird weitergehen. Wie weit? Nun, genauso gut könnten Sie fragen, wie das Wetter im nächsten Sommer wird. Glaskugeln zur Vorhersage der Zukunft sind leider im Moment nur schwer zu bekommen.


Joachim F. Gogoll

 

Themen/Referate

 

 

Impressum